Bestand als solcher und zusätzliche Leistungen im Bestand
Die Klassifizierung „Bestand“ sagt in erster Linie aus, dass das so klassifizierte Element bzw. der entsprechende Bereich im Bestand vorhanden ist UND keine direkten Leistungen an diesem erbracht werden. Stellen Sie an einem Fenster in der Planung --> siehe Herkunft der Informationen – „Bestand“ ein, werden an diesem Fenster keine direkten Leistungen kalkuliert. Sie können jedoch indirekte Leistungen, hier Schutzmaßnahmen, wie z.B. „Öffnungsabdeckung Holzplatte“ in der Kalkulation einstellen. Dies kommt häufig bei allen Erdgeschoss-Elementen in Außenwänden zum Einsatz, wenn „Dachgeschoss KOMPLETT-ABRISS“ im Dach eingestellt ist.
Bestand löst in Kombination mit anderen Klassifizierungen häufig indirekt (unterschiedliche) Leistungen aus
Nehmen wir jetzt eine Wand als Beispiel für die Klassifizierung „Bestand“. Auch hier wird dies in der Planung festgelegt. Sie müssen jedoch hier den „Bestand“ inkl. dem Materialbereich klassifizieren. Ihre Optionen sind --> siehe Herkunft der Informationen:
•Bestand Mischbau
•Bestand Holz
•Bestand Trockenbau
•Bestand Mauerwerk
•Bestand Beton
•Bestand Wintergarten
Die Auswirkung dieser Klassifizierung wird in der Kalkulation erst dann „preisrelevant“, wenn Elemente als „Neubau inkl. Öffnungen“ in diese Wand eingebracht oder Öffnungen verändert oder geschlossen werden. Der kalkulierte Abriss, der einzubringende Öffnungsüberbau, die partiellen Sicherungsmaßnahmen werden ebenso materialbezogen kalkuliert, wie die Entsorgung und der Transport.
Auch der Abriss der Decke oder des Daches über der Wand würde aufgrund der automatischen Kalkulation von partiellen Zwangssicherungen je Material eine kalkulatorische Auswirkung haben. Natürlich werden hierbei auch die Wandhöhen und Ausprägungen – Kniestock-/Standard-/Giebelwand – berücksichtigt.
Zusätzliche Leistungen, die nur dann erbracht werden können, wenn das Element bzw. der Bereich als Bestand vorhanden ist und es keine wirklichen Abriss- oder Neubauleistungen sind, werden in entsprechenden Kombinationen angeboten. Zum einen betrifft dies ganze Bereiche wie Elektro, Heizung & Haustechnik und Wasser & Sanitär. Hier können z.B. Leistungen wie Leitungsbefahrungen, Stromfreischaltung, Heizkörpernischen schließen, Solaranlagen aus- und wieder einbauen etc. erfasst werden.
Zum anderen finden wir hier Leistungen, die direkt auf dem Bestand erbracht werden können, OHNE dass dafür ergänzende oder vorbereitende Leistungen im Bestand selbst notwendig sind. Wir sprechen hier z.B. vom Anstrich der Bestandsfassaden oder neuen Fassaden inkl. Dämmung, die einfach direkt auf den Bestand aufgebracht werden können. In letzterem Fall führt dies noch zusätzlich zu einer automatisch kalkulierten Abrissmaßnahme: Da die alten Fensterbänke mit einer vorgesetzten Dämmung nicht mehr funktionieren würden, wird deren Abriss kalkuliert. Zusätzlich werden die Neubauleistungen im Branchenmodell - hier die neuen Fensterbänke - kalkuliert.
Alle diese Leistungen werden ermittelt, OHNE dass dafür am Bestand selbst etwas getan werden muss. Die Abgrenzung dazu finden Sie direkt unter Bestand aufbereiten.
Bestand aufbereiten
Hier muss innerhalb des Bestandes eine Leistung ausgeführt werden = der Bestand muss aufbereitet werden. Was und wie genau ist in der Stückliste der jeweiligen Position kalkuliert. Bei der Aufbereitung einer Haustür werden z.B. 60 Minuten Arbeitsleistung beim Zimmerer und eine „Kleinteilepauschale für das Aufbereiten von Bauelementen“ kalkuliert. Wird hingegen eine ganze Holztreppe aufbereitet, ist der hier notwendige Materialeinsatz als Pauschale schon zwischen 300 € - 400 € und der Zeitaufwand für Schleifen, Spachteln und Lackieren liegt bei 40 Arbeitsstunden. Würden wir von einer Podesttreppe reden, würden 20 Stunden mehr kalkuliert werden und auch der Materialaufwand wäre ca. 35 % höher.
Theoretisch kann alles in diversen Stufen aufbereitet werden und die Kollegen der Arbeitskreise haben in den Stücklistenkalkulationen der jeweiligen Positionen entschieden, was in der Praxis die höchste Wahrscheinlichkeit hat. Sie dürfen dabei immer die zusätzliche Steuermöglichkeit via Mehraufwand und die Option, im konkreten Projekt die Stückliste zu bearbeiten, im „Hinterkopf“ behalten.
Bestand aufbereiten + …
Wenn verschiedene Bestandsleistungen miteinander kombiniert werden, dann finden Sie diese Varianten unterhalb der Basisleistung – hier „Bestand aufbereiten“ – und in der Auswahl --> siehe „Herkunft der Informationen“, immer mit einem führenden „+“ Zeichen versehen.
Sie finden so z.B. bei den Decken „Bestand aufbereiten“ und „Bestand aufbereiten + verstärken“, häufig gibt es diese zusätzlich auch separate Optionen, hier „Bestand verstärken“. Schauen wir uns die Kalkulation inhaltlich an, so werden bei einer Holzbalkendecke für die Aufbereitung 30 Minuten je m² und für die Verstärkung 45 Minuten je m² kalkuliert. Bei der Verstärkung kommen das KVH und die Tellerkopfschrauben auf Materialseite noch dazu.
Würden wir jetzt noch das zusätzliche Dämmen betrachten wollen, so gäbe es dies sowohl einzeln („Bestand dämmen“: hier mit unterschiedlichen Zeit- und Materialansätzen je Stärke) und in den Kombinationen mit „aufbereiten“ / „aufbereiten + verstärken“ / „verstärken“. In allen Kombinationsfällen werden jeweils die Positionen einzeln kalkuliert, sodass Ihre Ausschreibung jede auszuführende Leistung einzeln beschreibt. Lediglich in der Auswahl --> siehe Herkunft der Informationen sind die Ausführungen für eine einfachere Auswahl miteinander kombiniert.
Bestand ausbauen + aufbereiten
Hier wird für den Bestand vereinbart, dass das entsprechende Element ausgebaut, aufbereitet und wieder eingebaut wird. Dies ist der „Klassiker“, wenn Bauelemente wirklich komplett wieder aufbereitet werden. Dies ist im „eingebauten“ Zustand eben nur bedingt möglich. Notwendige Leistungen wie das Aufbereiten der Laibung, werden hier ebenfalls automatisch kalkuliert.
Neben Bauelementen wird dies ebenso häufig für Geländer, Stützen und Träger verwendet. In letzteren Fällen wird automatisch die jeweils notwendige partielle Zwangssicherung kalkuliert. Gleiches gilt, wenn z.B. die Dacheindeckung ausgebaut wird UND hier kann zusätzlich noch vereinbart werden, dass eine hinterlüftete Ebene im Dachstuhl eingebaut wird.
Ergänzend können Schutzmaßnahmen, wie vorstehend schon beschrieben, individuell am Element vereinbart werden.
Bestand verstärken
Decken, Balkone und Fußbodenaufbauten können ebenso verstärkt werden, wie der Dachstuhl und die Dachdämmung. Da nur beim Dach die Steuerung für die Dämmung separiert ist, kann für die Decken, Balkone und Fußbodenaufbauten zusätzlich – hier greift wieder die Kennung „+“ in der Auswahl – neben dem Verstärken auch das zusätzliche Dämmen kalkuliert werden.
Beim Verstärken der Decken wird die partielle Zwangssicherung der an diese Decken „stoßenden“ Wände und Treppen wieder automatisch berücksichtigt.
Bestand ausbauen
Der „Bestand ausbauen“ – der auch hier wieder eingebaut wird – steht für die Dacheindeckung zur Verfügung. Zum Beispiel, wenn diese nach dem Abriss des alten auf dem neuen Dachstuhl wieder verwendet werden soll. Auch für das Herstellen eines hinterlüfteten Dachstuhls wird diese Leistung hier in Kombination mit dem Einbau der hinterlüfteten Ebene recht häufig verwendet, partielle Zwangssicherungen eingeschlossen.
Bestand dämmen
Diese hier alleinstehende Option – beachten Sie bitte, dass diese, wie vorstehend beschrieben, auch in diversen Kombinationen angeboten wird – steht für Decken und Balkone zur Verfügung. Da hier nur die Dämmung von Bestandselementen vereinbart wird, ist diese Möglichkeiten für ungedämmte Decken und Balkone gedacht. Wenn diese für die Dämmung verstärkt werden müssten, würden Sie unter „Bestand verstärken + dämmen“ fündig werden.
Bestandsdach anheben – Kniestockerhöhung
Die Möglichkeit, einen bestehenden Dachstuhl komplett anzuheben, haben viele Firmen schon mal in Erwägung gezogen bzw. kalkuliert und wenige bisher ausgeführt. Beachten Sie, dass aufgrund dieser Besonderheit zwar die Positionen für das Anheben vorhanden sind, die dort hinterlegten Stücklisten Sie jedoch darauf hinweisen, die Preise objektbezogen anzufragen.
Das gilt nur für das reine Anheben des Dachstuhls. Die notwendigen Erhöhungen aller an das Dach anstoßenden Wände inkl. des Lösens dieser vom Dachstuhl und das Aufbereiten der Giebelstirnseiten werden automatisch kalkuliert. Die partielle Zwangssicherung des Schornsteins wird ebenso berücksichtigt wie der Abriss und spätere Neuaufbau des Schornsteinkopfes. Werden die Bestandsfallrohre erhalten, wird hierfür ebenso automatisch deren Verlängerung kalkuliert.
"Bestand" als Einstellung im Branchenmodell
Da die Klassifizierung „Bestand“ in erster Linie aussagt, dass das so klassifizierte Element bzw. der entsprechende Bereich im Bestand vorhanden ist UND keine direkten Leistungen an diesem erbracht werden, wird dies als Klassifizierung in den klassischen NEUBAUEINSTELLUNGEN verwendet, um dafür zu sorgen, dass hier eben KEINE Neubauleistung kalkuliert wird.
Nehmen wir den Keller als Beispiel. Wird an der Bodenplatte unter dem Keller nicht „Bestand“, sondern z.B. „WU-Bodenplatte“ eingestellt, wird die WU-Bodenplatte mit allem „Drum und Dran“ kalkuliert. Bei der Einstellung „Bestand“ wird hingegen nichts berechnet. Ähnlich ist es für sämtliche Dämmungs- und Abdichtungsmaßnahmen der Kelleraußenwände. Natürlich haben Sie diese in der Planung entsprechend klassifiziert z.B. als „Bestand Beton“ und somit dafür gesorgt, dass die Wand selbst nicht kalkuliert wird. Die eingestellte Dämmung und/oder Abdichtung würde jedoch auch auf einer Bestandswand kalkuliert werden, daher die Einstellung „Bestand“.
Ebenfalls berücksichtigen dürfen wir, dass in der Regel neben den Bestands- auch Neubauleistungen in einem Projekt erbracht werden. Nehmen wir hierfür das Beispiel, dass aus einem Bungalow eine Stadtvilla wird.
•Dachgeschoss KOMPLETT-ABRISS
•„Öffnungsabdeckung Holzplatte“ im EG an allen Öffnungen oder „Abriss + Neubau“
•Änderung der Raumaufteilung mit Innentreppe im EG
•Obergeschoss und Dachgeschoss wird als Neubau laut Branchenmodell erstellt
•Außendämmung + Fassade NEU im EG oder serielle Sanierung mit neuer Fassade + neuen Außenfensterbänken
Deswegen wird im Wandaufbau inkl. Dämmungen und Fassade ihres Branchenmodells auch nicht „Bestand“ voreingestellt. Sie wollen ja, dass diese laut den gewählten Details kalkuliert werden. Bestandswände werden daher in diesen Berechnungen einfach ausgeschlossen, Neubauwände so wie schon immer nach diesen kalkuliert.
Für den Bestand gibt es im Massivbau daher eine separate Steuerung für Dämmung und Fassade. Im Holzbau wurde hierfür der Bereich der massiven Außenwände, mit allen Möglichkeiten der Hybrid-Bauweise des Mehrfamilienhausbaus, angebunden.
Die Steuerung sämtlicher Bestands- und Abbruchleistungen im Dach wurde zusätzlich zur Neubausteuerung eingebunden, sodass auch hier keine Einstellungen angepasst werden müssen. Beide Beispiele verdeutlichen, warum an so wenigen Stellen in NEUBAUEINSTELLUNGEN der Branchenmodelle der Bestand überhaupt ergänzt werden musste.